Samstag, 15. August 2015

Federleicht: Vielleicht eben nie





„Dieser kurze Moment, der vertraute Wege vereint,
Am Boden der Tatsachen,
Ist auch der, der sie am Ende wieder teilt...“ 
(Dreimillionen – Fliegen)







Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre es einfach mit dir zu sprechen. Ein einziges Mal deine Stimme hören, wie sie mit mir spricht und nicht mit anderen. Ein richtiges Gespräch. Eines, bei dem wir uns gegenüber sitzen und alles sagen können. Aber dieses Band der Kommunikation besteht zwischen uns nicht. Nicht einmal reine Höflichkeit kann daran etwas ändern. Es bleibt ein Wunsch.

Bei unserer ersten Begegnung bin ich unter all den unscheinbaren Gesichtern an deinem hängen geblieben. Auf den ersten Blick war es besonders. Es waren die markanten Gesichtszüge, die Erinnerungen bereithielten und schließlich dein Name, der weitere Assoziationen weckte. All das führte erst dazu, dass ich eine bestimmte Vorstellung von dir in meinem Kopf konstruierte. Ohne dich wirklich zu kennen. Von einer Person, die du nicht warst und nie sein würdest. Dass du dem nicht gerecht werden konntest, lag auf der Hand.

Egal, was ich tat, dieser stille Vorwurf in deinem Blick blieb. Dabei so kalt wie ein jahrhundertealter Stein, immer mit dem Hauch des Zweifels. Ein Blick, bei dem es mir so schwer viel, ihm standzuhalten. Ich wusste nicht, was er zu bedeuten hatte, war nicht in der Lage, ihn einzuordnen. Ich würde so gerne wissen, was hinter deinem schönen Gesicht vor sich ging, wenn du mich angesehen hast. Ob es wirklich das war, was der Ausdruck in deinem Gesicht verriet, oder nur etwas, das ich mir einbildete, darin zu sehen. Aber deine Gedanken behieltest du lieber für dich. Für mich so undurchdringlich und unergründlich wie die Konstellation der Sterne in einer dunklen Nacht.

Dennoch kann ich nicht gewährleisten, dass es dir nicht so erging wie mir. Dass das Bild, das du von mir hattest, nicht genauso lückenhaft war, denn ich trug ebenfalls nicht das nach außen, was ich wirklich dachte.

Diese Ungewissheit war für einige Zeit ein ständiger Begleiter und lag manchmal schwer im Raum, denn unsere Zusammentreffen häuften sich. Sie liefen immer gleich ab und drehten sich im Kreis. Mittlerweile erscheint mir die Wahrheit so klar. Deine Lippen bleiben stumm und ich habe keine deiner Antworten zu erwarten, weil ich dir die Fragen vorenthalte. Ich stelle sie nicht dir, sondern lediglich mir – jemandem, der nicht genug weiß. Es ist die Verbindung, die eine Frage mit einer Antwort verknüpft, die zwischen uns fehlt. Das Fundament, ein Gespräch herbeizuführen, ist nicht vorhanden. Das ist es, was das Ganze unmöglich und sogar bedeutungslos macht. Warum habe ich das vorher nicht gesehen? Ich habe immer gedacht, dass unsere Zusammentreffen einen Grund haben müssen. Doch die Begründung ist nicht stark genug, um mehr als ein Zufall zu sein. Man kann mir nicht vorwerfen, ich hätte es nicht versucht, aber ich gebe auf. So ist es am besten. Wenn ich dich loslasse, wird dein Gesicht immer mehr verblassen, bis du nicht mehr als eine Erinnerung bist. Wahrscheinlich sind wir einfach nur dafür gemacht uns ständig zu begegnen, aber nie wirklich zu kennen. 

Der Zeitpunkt für uns war nie richtig und es wird sich zeigen, ob es jemals so sein wird. Vielleicht an einem anderen Tag. Oder eben nie.

1 Kommentar:

  1. Hallo Lauretta,

    endlich komme ich dazu, dir einen Kommentar zu hinterlassen.
    Ich liebe deinen Text, schon seit ich ihn das erste Mal gelesen habe.

    Ich finde, er ist hier an der richtigen Stelle.

    Liebe Grüße
    Henrik

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